Eine Sitzung mit Seth

Von Helen Wambach, Ph. D.

Ursprünglich veröffentlicht im Magazin
„New Reality“, Nr. 1, März/April 1977


(übersetzt von Jonathan Dilas, 2006)


Es war ein heller Märztag im Jahre 1973 und die Sonne funkelte auf dem breiten Delaware River während ich gerade auf der engen Straße durch Pennsylvania’s Bucks County auf dem Weg nach Elmira in New York fuhr. Ich konnte mich aus meinem geschäftigen Leben in Red Bank, New Jersey, davonstehlen, wo ich eine Selbsthilfegruppe für emotional gestörte Erwachsene leitete und von meinen Lehren am Brookdale College, wo ich Parapsychologie mit meiner Psychologie-Gruppe erforschte. Nachdem ich Jane Roberts Buch „Das Seth-Material“ las, hatte ich sofort gefühlt, dass sich viele der von mir gesuchten Antworten in diesem Buch befanden.

Aus einem Impuls heraus rief ich Jane Roberts an, um ihr zu erzählen, dass ich eine klinische Psychologin war, die nicht glaubte, dass das Phänomen ihrer Medienschaft als neurotisches oder schizophrenes Beispiel einer Persönlichkeitsspaltung abgetan werden könnte. Sie war warm und freundlich am Telefon und lud mich ein sie am Dienstagabend in ihrer ASW-Klasse in Elmira zu besuchen. Ich hatte bereits meine Forschung bezüglich vergangener Leben begonnen und wenn ich dabei an meine Reise nach Elmira dachte, stellte ich mir vor, ich würde eine bessere Ausrichtung für meine Forschung finden, aber ich wusste, ich war auch auf der Suche nach mir selbst.

Jane Roberts Arbeit als Medium begann als sie ihr Buch „Der Weg zu Seth“ (zuerst verlegt unter dem Titel „The Coming of Seth“) und experimentierte mit dem Ouija-Board. Das Brett war sehr aktiv und buchstabierte viele Botschaften. Bald ging sie zum Sprechen über und sprach in Trance. An sich ist diese Entwicklung vom Ouija-Board zur Trance-Medienschaft für Studenten der Psyche nicht ungewöhnlich. Das ungewöhnlich jedoch ist die Qualität des Materials einer Trance-Persönlichkeit namens Seth, die durch Jane spricht. Jene, die Janes Bücher „Das Seth-Material“, „Gespräche mit Seth“ und „Natur der persönlichen Realität“ gelesen haben, sind sich der profunden Natur der Erklärungen, die Seth für unsere bewusste Erfahrung innerhalb dieser 3-dimensionalen Welt gibt, sehr bewusst.

Downtown Elmira besitzt eine rußgeschwärzte Arbeiterluft mit ihren soliden Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert; ein ungewöhnlicher Ort für einen aufsteigenden Guru des Wassermann-Zeitalters, wie mir schien. Behäbig alte Heimstätten beendeten ihre besten Jahre und wurden zu günstigen Apartments mit von Ulmen umsäumten Straßen umgewandelt.

Jane lebt in einem Apartment und, wie ich herausfinden konnte, öffnete sie die Tür für mich. Da war nichts Exzentrisches, so wie sie sich kleidete oder wie sie lächelte, während sie mich ins Wohnzimmer führte, das sie sich mit ihrem Mann Rob teilte. Jane bot mir eine Tasse Kaffee an und wir redeten nur beiläufig. Ich erwähnte Jane gegenüber, dass ich Psychologin sei, die mit jungen Leuten arbeitete, und sie drückte mir ihre Betroffenheit über die Leute aus, die sie besuchten.  

"Ich würde all diesen Leuten so gerne helfen," sagte sie. "Ich betrachte mich aber nicht als Therapeutin und manchmal sind die Probleme, die die Leute mir gegenüber äußern, sehr schwierig. Ich bin froh, wenn Seth einigen von diesen Leuten helfen kann, aber ich fühle, dass das Schreiben eher meine Fähigkeit ist und nicht die Beratung." Rob saß still auf dem Sofa und streichelte die Katze. Er ist ein gut aussehender Mann mit einer gewissen Aura der stillen Abgeklärtheit. Ich dachte, dass er bestimmt ein wundervoller Kontrast für Janes lebhafte Energie darstellt und dass sie ein exzellentes Team waren. 

Bald hatte sich die Menge versammelt. Es waren achtzehn von uns, verteilt in dem riesigen Wohnzimmer des Apartments, das an Janes Schlafzimmer grenzte. Jane saß auf einem hölzernen Schaukelstuhl, sprach und lachte mit den Neuankömmlingen. Die Atmosphäre in dem Raum war eine der freundlichen und erwartungsvollen Art. Einige der Klassenteilnehmer kamen aus dem Raum Elmira und nahmen seit ihrem Beginn im Jahre 1971 teil. Andere hatten über Janes Bücher von dieser Klasse gehört und sind erst kürzlich dazu gekommen. Die meisten Teilnehmer der Klasse sind viele Kilometer gereist, um dieser Sitzung beizuwohnen; eine Gruppe von sechs oder sieben waren extra von New York angereist und nur für diesen Abend hierher gefahren.

Die Klasse begann als Jane über das Material diskutierte, das Seth zurzeit in „Natur der persönlichen Realität“ diktierte. Einige Teilnehmer fingen an zu diskutieren. Als Jane als Jane sprach, war ihre Stimme hell und schnell und sie stierte durch dicke Brillengläser. Plötzlich erschien Seth.

Ihre Brille flog vor ihr auf den Kaffeetisch. Ihr Kopf schnellte hoch und ihre Augen öffneten sich weit. Ich blickte in die Pupillen ihrer Augen und sie schienen viel größer und dunkler zu sein als zuvor. Ihre Körperhaltung war unglaublich gerade und sie vermittelte den Eindruck als habe sie gerade 20 Pfund in zwei Sekunden zugenommen. Als Seth durch Jane kam, besaß man den Eindruck eines männlichen Charakters, der den Körper einer femininen Frau benutzt. Seth schaute sich im Raum um und begann zu sprechen.

Ich war über den Wechsel von Janes Stimme erstaunt. Seths Töne waren tief und blumig und seine Betonungen hatten einen gewissen Geschmack. 'Eine Art von Akzent oder so', dachte ich, „aber was ist es für einer? Skandinavisch, indisch?“ Ich habe es nie herausfinden können, welcher Akzent es ist, aber er ist offensichtlich präsent sobald Seth spricht. Jane spricht mit einer schnellen Stimme, aber Seth spricht langsam und betont alles sehr sorgsam. Es existiert eine starke Anhebung in Seths Stimme, wenn er einen Punkt herausarbeitet. Seth begann mit seinem Teil unseres Gruppentreffens mit der folgenden Übung, an der wir alle teilnehmen sollten.

„Und jetzt möchte ich von euch, dass ihr alle etwas macht,“ sagte er, „schließt eure Augen, oder lasst sie geöffnet, so wie ihr wollt, und ich möchte dass ihr in euch selbst das Lebendige wahrnehmt, das in euch geschieht. Ich will, dass ihr diese Energie fühlt, dass euer eigenes Leben vital durch euch hindurchfließt und ihr es begleitet. Sie singt durch euren Körper und eure Kreatürlichkeit hindurch. Es mag schwer sein, meiner Stimme zuzuhören und dann diese Lebendigkeit in euch wahrzunehmen, aber meine Stimme kann ebenso als Vehikel dienen, um euch dieses subjektive Gefühl erfahren zu lassen, das einzigartig in jedem von euch existiert.“

„Ihr seid bei der Geburt in die Kreatürlichkeit hineingeworfen worden. Sie hält eure Augen offen und eure Lippen lächelnd, während ihr mich anseht. Sie hält eure Beine auf dem Tisch; sie lässt eure Augenlider blinzeln und sie begleitet euch die ganze Zeit. Sie ist die Essenz eures Seins. Sie hält euch am Leben. Wenn ihr dem nicht trauen könnt, was euch am Leben erhält, wem könnt ihr dann trauen? Sie hält eure Finger in Bewegung. Sie ist das unbekannte Wissen, das in jedem Moment in euch aufsteigt und der ihr über alles hinaus trauen könnt. Sie ist das unbekannte Wissen dessen ihr euch bewusst werden könnt und sie ist euer intimstes Wesen."

„Sie kommt nicht von jemand anderem. Ihr werdet sie nicht in Büchern, Konzepten oder Vorschriften finden. Sie kommt aus der intimen Erfahrung eures eigenen Seins. Wenn ihr allein seid, fühlt sie. Geht in Freude mit ihr um und sagt 'Ich gebe mich meinem Leben hin.' Mit dieser Einstellung werden alle Dinge, die ihr braucht, zu euch kommen.“

Seths Stimme sprach diese Worte und hatte ein befremdliches Gefühl an mein Nervensystem gesendet.  Seine Stimme schien nicht nur in meinen Ohren, sondern in meinem gesamten Körper widerzuhallen. Seth zu hören war im Vergleich dazu seine Worte zu lesen eine völlig andere Erfahrung.

Seth verschwand und Jane kehrte in ihren Körper zurück. Sie blinzelte, griff nach ihrem Glas, lehnte sich in ihrem Stuhl nach vorn und bat einen Gruppenteilnehmer ihr mitzuteilen, was Seth denn gesagt hatte. Jane ist sich Seths Worten nicht bewusst, wenn er durch sie spricht und sie muss den Inhalt seiner Bemerkungen aus den Niederschriften, oder der Bänder, eines Gruppenmitgliedes einer jeden Sitzung herausfinden. Es ist interessant von Jane gefragt zu werden, was Seth denn gesagt hatte. Seths Worte schienen so wundervoll formuliert, dass es sehr schwierig ist, dies mit den eigenen Worten auszudrücken. Als Jane mich bat es zu erklären, stammelte ich im Versuch Seth wiederzugeben. Inmitten meiner Erklärung flog Janes Brille wieder hinfort. Sie saß aufrecht im Stuhl und Seths Stimme knallte raus „Das ist nicht das, was ich gemeint hatte.“

Seth diskutierte die Natur der Glaubenssätze und bat die Gruppe aufmerksam auf ihre Glaubenssystem zu blicken. Er bat die Gruppe einiger ihrer Glaubenssätze zu diskutieren. Ich erwähnte ein Problem, das ich im Umgang mit Geld hatte. Ich mag Geld und die Dinge, die man damit kaufen kann, aber ich habe das Gefühl, dass Wohlstand auch Bestechlichkeit bedeutet. Meine politischen Einstellungen sind eher links ausgerichtet und ich hatte gelernt materielle Güter mit der Beschneidung anderer zu assoziieren. Als ich dies diskutierte, brach Seth in die Unterhaltung ein.

„Jeder von euch, wie ich es in meinem gegenwärtigen Buch sagen werde – Werbung – (Seth bezog sich hier auf “Die Natur der persönlichen Realität“, das er über Jane Rob diktierte. Sein Humor bezog sich darauf, dass es eine Geld machende Operation sei) bezieht sich dabei auf den Bereich von Gut & Böse; diese wertvollen Aussagen die ihr über solchen Themen wie Gesundheit, Wohlstand, Farbe und Rasse macht. Einige von euch betrachten dies als ein Zeichen des Wirken des Guten,“ er hielt inne und schaute mich direkt an. Er fuhr fort, „darum, wenn ihr jemanden anseht, der Geld hat, denkt ihr sofort, er sei nicht spirituell eingestellt; dass etwas nicht mit ihm stimmt, dass er andere Herausforderungen ausgewählt hat, dass er fies sein muss oder dass er ein Kapitalist ist. Ihr denkt, jemand der arm ist, der ist spirituell...“ Hier drehte sich Seth wieder zu mir und starrte in meine Augen, „und dass er dumm sein muss.“

Ich lachte, weil ich dachte, dass Seth völlig Recht hatte. Arme Leute erwarten arm zu sein, also erschaffen sie ihre Welt so. Seth fuhr fort, dass die Dinge für jeden von uns nicht so einfach sind. „Wenn ihr glaubt, dass eure Glaubenssätze die Realität verursachen – und das tun sie – wie sind dann eure Einstellungen zu den Armen? Sagt ihr ‚Sie haben diese Realität selbst verursacht, das ist übel, das ist ein schweres Los?' Das sind Fragen, die ihr bedenken sollt.

Jane schloss sich unserer Diskussion teilweise wieder an, als wir unsere Glaubenssysteme diskutierten. Im Verlaufe der Unterhaltung stellte sich heraus, dass drei der jüngeren Leute, die zum Gruppentreffen gekommen waren, in einer Dreiecksbeziehung standen. Die Gefühle, die von ihnen erzeugt wurden, waren intensiv, und Jane schaute betroffen als die Unterhaltung heiß lief. Es schien, dass der beste Freund des Ehemanns seine Frau erfolgreich verführt hatte und dies ließ überall schlechte Gefühle zurück. Janes Betroffenheit stieg an, als sie versuchte auf die Wut und das Leid zu antworten, die in der Diskussion aufgekommen waren. Dann wechselte sie zu Sumari.

Sumari ist der Name, den Jane und Seth einem sehr ungewöhnlichen Phänomen gegeben haben. Sobald Seth durch Jane spricht, glänzen ihre Augen, sind weit geöffnet und ihre Gesten sind abrupt und männlich. In anderen Momenten geht Jane in eine Trance und seltsame, flüssige, musikalische Noten kommen durch. Laut Jane ist Singen die letzte ihrer Fähigkeiten. Sie demonstrierte an einem Abend ihrer Gruppe, wie armselig sie einen Ton halten kann wie gering ihr Stimmvolumen ist, wenn sie als Jane singt. Doch wenn Sumari durchkommt, besitzt ihre Stimme eine erstaunliche Tiefe und Fülle und beinhaltet eine vokale Reichweite von Sopran bis Bass. Wenn man den Tönen zuhört, scheinen sie in einer ausländischen Sprache gesungen zu werden, obwohl einem keine Sprache dazu einfällt. Es ist die Tonqualität und der volle emotionale Ausdruck der Töne, die das Gewicht der Bedeutung tragen. Seth sagte, dass Sumari Tiefen in uns berührt, die Worte nie erreichen können und dass die Bedeutung der Töne in den individuellen Reaktionen liegt, die die Töne in jedem von uns erzeugen. Sumari floss ohne Anstrengung durch Jane hindurch, während sie ein Lied jedem Einzelnen dieser Dreiecksbeziehung sang. Sie wirkten nicht sonderlich betroffen von der Musik, doch der dunkle Blick hielt an. Der Liebhaber dieses Trios brach plötzlich mit seinen Gefühlen heraus und meinte, dass man Sex haben sollte, wo immer man ihn finden kann und dass kulturelle Sitten eine Verleugnung der Grundsätze der Natur wären.

An diesem Punkt kam Seth wieder in die Diskussion. Seine Stimme knallte heraus "Ich möchte niemandes Vorurteile erschüttern," sagte er und schaute auf den Liebhaber. Er fuhr fort, „Dieser Mann ist Mensch, doch sein Sextrieb ist mit seiner Liebe verbunden, doch sogar eure kulturellen Sitten mögen dazu dienen, ihn vor dem Ausmaß der Erkenntnis seiner eigenen großen Liebe zu schützen, denn in eurer Gesellschaft ist Liebe ein weibliches Merkmal und das Leid der Männlichkeit, es zu zeigen. In eurer Gesellschaft ist es nicht Männlichkeit, es ist die Weiblichkeit im Sinne einer Gesellschaft zu denken. Darum verbirgt er seine eigene Liebe vor sich selbst. Doch das Männliche geht nicht hungrig los, um sozusagen ohne jedes Gefühl jeden zu vögeln, wen immer er kann, denn mit seiner großen List hofft er, dass er etwas Liebe erhalten wird, dass ein Hauch von Kreatürlichkeit sein Eigen werde.“

Seth hatte seine Aufmerksamkeit dem Ehemann und seiner Frau zugewandt. Seine Stimme wurde weicher als er ihnen sagte, “Es ist keine Frage der Moral hier, sondern nur, dass ein Missverständnis und eine Verwirrung mit Glaubenssätzen beteiligt sind, die aufgelöst werden müssen. Und es ist nur natürlich, dass unser Pan hier," und Seth schaute grinsend auf den Liebhaber, "als Katalysator dient. Und beide von euch werden es bei Zeiten wissen. Nun werde ich euch zur gegenwärtigen Situation zurückbringen und zu der Freude und Qual eurer Lenden!“

Seths Einmischung hat den Diskussionston sofort verändert. Wir alle lachten über die Identifikation des Liebhabers mit Pan. Allerdings war er ein dünner, lustiger Mann mit einem zwinkernden Auge und man konnte ihn sich sehr leicht vorstellen, wie er mit einer Flöte in der Hand über die Hügel lief.

Einer der Gruppenteilnehmer erklärte Jane, was Seth gesagt hatte. Seth empfand diese  Erklärung offensichtlich nicht passend genug und kehrte zurück. Der Wechsel von Jane zu Seth war sehr erstaunlich. Jane hatte gerade noch sehr aufmerksam durch ihre dicken Brillengläser auf die Gruppenteilnehmer gestarrt und den Erklärungen gelauscht und dann war in einem Augenzwinkern die Brille weg, der Körper lehnte sich in den Stuhl zurück und die blauen Augen wurden weit geöffnet.

Seth sprach erneut. “In der weiten Realität eures Seins und der Freude eurer Existenz ist all dies ein Aspekt eures Lebens, der Erfahrung und des Wissens über das Leben, das in euch ist." Er drehte sich wieder zu dem Ehemann mit seiner Frau, starrte sie aufmerksam an und sagte, "Ihr habt euch diesen Kurs hier aus bestimmten Gründen ausgesucht. Ihr habt diese Situation zusammengestellt und eure Selbste wissen, dass es gelöst werden wird. So spielt ihr Spiele mit euch selbst, auch wenn es so aussieht, als wüsstet ihr die Antworten nicht. Wenn ihr beiden euren bewussten Geist überprüft und eure bewussten Glaubenssätze, dann wird die Lösung schnell offensichtlich.“

Seth drehte sich um und sein Blick glitt über die Gruppe. Es gab eine Pause, aber alle wussten, dass Seth da war und nicht Jane. Seth fuhr fort und sprach dieses Mal leiser: "Wenn ein Leben an sich nicht genügend bietet, dann werdet ihr es mit eurem Leben bereichern und daraus lernen und in all seinen Verästelungen genießen. Und darum, in euren Worten, nichts davon ist tragisch. Es hat euch gedient und es dient euer aller Ziele, die ihr euch selbst gesetzt habt," und er schaute die Ehefrau an, "und die ihr euch gesetzt habt," und schaute wieder im Raum herum. Er schaute uns alle lächelnd an. Der Raum war völlig still, während wir aufmerksam seinen Worten lauschten.

„Darum sind alle Fragen, die euch allen hier nahe gebracht wurden, für jeden von euch auf seine Art und Weise passend. Ihr seid Kreaturen, doch gibt es einen Unterschied zwischen euch und den Tieren. Und Sexualität kann euch in Dimensionen führen, mit euren Worten, die die Tiere nicht kennen. Einige Tiere – zum Teil, aber nicht so sehr wie ihr, fühlen die moralische Natur. Sie kommen in ihrer Tiefe der Leidenschaft mit ihrer großartigen biologischen Spiritualität zusammen, und so auch ihr. Von dieser Sexualität eurer selbst aus könnt ihr große Spiritualität und das biologische Bejahungssystem formen sowie jene Systeme jenseits der Natur, die ihr euch als Kreatürlichkeit vorstellt, und erkennen, dass das Wissen in euch ist. Ihr habt einen freien Willen. Darum könnt ihr handeln wie ihr wollt. Ihr könnt ewigen Ruhm erschaffen oder euch im Irrgarten verlaufen. Und selbst diese Irrgärten wären kreativ, und von diesen aus würdet ihr neue Ebenen der Kreatürlichkeit und der Moral entdecken und noch viel weiter. Aber jeder muss seinen eigenen Weg finden." Seth wandte sich dem Ehepaar wieder zu und sagte, "Und dein Weg, und auch dein Weg, muss dein eigener Weg sein.“

Die Spannung in der Gruppe löste sich, sie war ruhig und einige von uns amüsierten sich über Seths Bemerkung, dass wir ewigen Ruhm erschaffen oder uns im Irrgarten verlaufen können. Ich dachte für mich, dass ich mit meiner professionellen Erfahrung den jemals besten Job einer Ehekrisenberatung erlebt hatte. Ehemann und Frau lächelten sich an, der Liebhaber hat sich still verdrückt und sprach mit anderen im Raum. Jane mag vielleicht Zweifel über ihre Fähigkeit haben mit menschlichen Problemen umzugehen, aber durch Seth konnte sie sicherlich einen wundervollen Job erledigen, um sie zu lösen.

Kurz danach löste sich die Gruppe auf. Die Leute lächelten und lachten und es war eine Atmosphäre großer Freundlichkeit im Raum. Dies war gewiss die vereinteste Gruppe, die ich je besucht hatte.

Später erzählte mir Jane, dass Seth mit mir zu reden wünschte. Ich dachte, dass Seth vielleicht meine letzten Rückführungsexperimente mit mir besprechen wollte, da ich mit Jane einige Details meiner Arbeit durchgehen wollte. Jane lud mich ein, mich zu setzen und mit einer Tasse Kaffee begannen wir über Hypnose und Reinkarnation zu sprechen.

Nach drei Minuten dieser Diskussion landete Janes Kaffeetasse mit einem lauten Klong auf der Untertasse, ihre Brille verschwand und Seth saß mir plötzlich gegenüber. Ich fühlte etwas Ehrfurcht – ein Gefühl, bei dem ich dazu neigte intellektuell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden, weil ich als entwickelte Psychologin stets richtig zu liegen dachte. Trotz dieser primitiven Ehrfurcht kam sie über mich und ich konnte sie nicht leugnen. Seths Stimme brauste auf und zu meiner Überraschung begann er über die Teenager-Gruppe zu sprechen, die ich in einem Heim in Red Bank in New Jersey betreute.

Er begann, indem er meine grundsätzlichen Prinzipien unterstützte, die diesen jungen Leuten so viel Freiheit wie möglich einräumten innerhalb der gegebenen Schranken in diesem Heim. „Du liegst richtig in der Annahme, dass diese jungen Leute ein 'anständiges’ Verhalten nicht ausdrücken können, solange sie nicht eine Gelegenheit erhielten, ihre negativen Gefühle zum Ausdruck zu bringen.“ Ich erklärte Seth, dass es sehr schwierig war, die angemessenen Autoritäten von meinem Plan zu überzeugen, sodass die jungen Leute ihre eigenen Regeln aufzubauen lernen. Für meinen Standpunkt war Seth sympathisch und sagte, dass es eine gute Art wäre, um den psychologischen Spielraum zu erhalten, der für diese wütenden Teenager erforderlich wäre.

Seth hatte ein Funkeln in seinen Augen, als er sagte, "Bedenke, Helen, du kannst niemanden retten. Du hast die Vorstellung, dass diese jungen Leute Opfer sind und dass es an dir liegt, sie zu retten.“

Es lag bis zu einem bestimmten Punkt völlig richtig, dass ich von mir selbst meinte ein wachender Engel für diese armen abgestoßenen Kinder zu sein, eine Illusion, die Seth mir gerade zerstörte. Seth fuhr fort, „Bedenke, dass jeder Einzelne von diesen jungen Leuten ihren eigenen Weg wählen werden."

Ich fühlte mich, als müsste ich mit dem großen Meister diskutieren. „Aber sie wurden bereits als kleine Kinder missbraucht und abgewiesen und sie können sicherlich nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was man ihnen angetan hat.“

Seth antwortete, „Ah, aber sie haben sich ihre Eltern ausgesucht, sie wählten die Lebensbedingungen, um dies in ihrer Inkarnation zu erfahren.“ Seth machte weiter, indem er mir die Namen und Hintergrundgeschichten dieser Jugendlichen aufzählte, die ich betreute. Dies war außerordentlich erstaunlich, denn Jane konnte weder ihre Namen noch die Geschichten dieser Mädchen kennen. Seth machte mir deutlich, dass diese Jugendlichen diese Probleme selbst erstellt hätten, um ihre vergangenen Ängste und Widerstände zu besiegen.

„Im gewissen Sinne brauchen sie dich und sie brauchen die Gruppe gerade jetzt, aber auch du brauchst sie als Teil deiner eigenen Entwicklung. Bedenke, wenn du fühlst, dass du der Doktor bist, der dazu aufgerufen wurde die Patienten zu lenken, sind wir doch alle Suchende und jeder lernt vom anderen.“

Ich hatte meine Betroffenheit über eins meiner Mädchen zum Ausdruck gebracht. Ich fühlte die Notwendigkeit sämtliche Mädchen aus dem Heim bei mir zu behalten, um zu verhindern, dass sie wieder in Krankenhäuser oder Gefängnisse zurückkehren werden. Seth schien dies zu wissen und unterbrach meine Gedanken.

„Diane wird nicht zum Heim zurückkommen. Sie wird schon in Ordnung kommen, aber es ist nicht notwendig, dich für eins dieser Mädchen so aufzuopfern. Lenke deine Fürsorge auf die anderen.” Seth hatte Recht und es stellte sich später heraus, dass Diane tatsächlich nicht zur Heimgruppe zurückkehrte.  

Seth schien so interessiert an der Heimgruppe, dass er mir Vorschläge gab, wie ich die physischen Bedingungen arrangieren konnte. „Du solltest einen Extraraum haben - vielleicht das Esszimmer – als einen Ort, wo man Leibesübungen machen kann. Diese jungen Leute brauchen es, um einen Teil der Wut körperlich zum Ausdruck zu bringen, einige der kraftvollen Emotionen, die sie so aufladen. Gib ihnen die Gelegenheit dies mittels Leibesübungen zu machen.” Wie konnte Seth nur wissen, dass solch ein Raum im Heim zur Verfügung stand? Und wie konnte er wissen, dass Diane nicht wieder zum Heim zurückkehrte?

Meine Erfahrung mit Seth öffnete mir in vielen Dingen die Augen. Sein Wissen über meine Arbeit in Red Bank war definitiv außergewöhnlich; Jane konnte diese Details nicht gewusst haben. Aber jenseits dessen war das Gefühl von Ehrfurcht in Seths Gegenwart sowie seine Art, wie er meine Gedanken aufhob und füllte, meinen Horizont erweiterte, etwas außerhalb all meiner bisherigen Erfahrungen. Ich fühlte, dass ich einen Guru gefunden hatte.

Aber Seth war gegen Gurus, so wie er es an diesem Abend gesagt hatte, "Ihr werdet es nicht in Büchern oder Konzepten oder Geboten finden können; es kommt auch nicht von anderen. Es geschieht durch die intime Erfahrung eures eigenen Seins.“

Gab es eine Seth-Ebene in mir, in jedem von uns, so wie in Jane? Janes Seth war solch ein großartiger Lehrer. War dem so, weil Jane selbst eine ungewöhnliche, helle, scharfsinnige und wohl erzogene Frau war? Sicherlich spielte dies eine Rolle bei Seths reichem Wortschatz. Kein Medium ist bloß ein Kanal, sondern ein aktiver Teilnehmer in der Übersetzung aus den Weiten des Bewusstseins hinein in die Welt des Hier-und-Jetzt.

Die Erfahrung mitzuerleben, wie Seth seine ASW-Klasse unterrichtet ist unvergesslich. Glücklicherweise war ich in der Lage alle Klassensitzungen auf Band anzuhören und sie haben mein Leben sehr bereichert. Die Klassensitzungen wurden 1975 eingestellt, und die Gruppenerfahrung in Elmira als Privilegierte mitzuerleben wurde ein Teil der Vergangenheit. Sie lebt jedoch weiter auf den Bandaufzeichnungen und Transkripten.

Jane und Seth sind beide beschäftigt und produktiv. Jane berichtet, dass Seths Buch „Die Wirklichkeit der Psyche, Band 1“ diesen Sommer erscheinen wird. Jane hat auch ein eigenes Buch, „Das Weltbild von Paul Cezanne“ in Arbeit und Seth diktiert noch ein weiteres Buch. Seth und Jane sprechen auf eine hoch entwickelte Weise eine uralte Weisheit für das Amerika des kommenden 20. Jahrhundert aus.




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